art KARLSRUHE 2020

12. bis 16. Februar 2020
Messe Karlsruhe, Messeallee 1, 76287 Rheinstetten

Booth K10, Halle 3

Axel Anklam + Fritz Bornstück + Till Brönner + Laura Bruce + Sven Drühl + Yafeng Duan + Sid Gastl + Karsten Konrad + Meng Huang + Jan Muche + Bianca Regl + Benyamin Reich + Tanja Rochelmeyer + Bettina Scholz + Brigitte Schwacke

 

Mehr Informationen und Kunstwerke der Künstler finden Sie auf der jeweiligen Artist-Seite.

Öffnungszeiten der Messe:
13. bis 16. Februar 2020, 11 bis 19 Uhr
Eröffnung: 12. Februar 2019, 11 bis 21 Uhr, für geladene Gäste

Tickets erhalten Sie an der Tageskasse oder im Online-Vorverkauf.
Mehr Informationen zur Messe art KARLSRUHE finden Sie hier.

Kontakt während der Messe:
ochs@alexanderochs-private.com, +49 (0)160 – 9699 6886
art KARLSRUHE, Messe Karlsruhe, Messeallee 1, 76287 Rheinstetten/Karlsruhe

The Cage, 2019

Der in Berlin lebende Bildhauer Karsten Konrad, geboren 1962, schafft mit THE CAGE einen autonomen installativen Raum. Zwischen vier Versionen aus seiner Säulen-Serie ‘Torno’ setzt er vorgefundene und von der Gesellschaft ausrangierte Fundstücke von Flohmärkten oder der Straße aus gebogenem, verchromtem Rohr, das im Möbelbau z. B. für die berühmten ‘Freischwinger’ des Bauhäuslers Marcel Breuer oder für den ikonischen ‘Serie 7’ des Designers Arne Jacobsen Verwendung findet, neu zusammen. Die gesammelten Objekte werden im Arbeitsprozess dekonstruiert, gleichzeitig behalten sie aber ihre eigene Autonomie und Individualität, die ihnen eingeschriebene Vergangenheit und ergebene ein neues Ganzes.

Karsten Konrad, 1962 in Würzburg geboren, wurde im Jahr 2016 zum Professor an der UdK – Universität der Künste in Berlin berufen. Er selbst studierte dort unter anderem bei Marina Abramović und ist heute in vielen relevanten nationalen und internationalen Sammlungen vertreten.

Karsten Konrad, THE CAGE, Installation View, Detail, 2019, Courtesy ALEXANDER OCHS PRIVATE
Interessiert? Fragen Sie uns.
Karsten Konrad, THE CAGE, Installation View, Detail, 2019, Courtesy ALEXANDER OCHS PRIVATE
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Menschenleer sind die Felsenbilder des Malers Sven Drühl, geboren 1968. Die Natur jenseits des Lebendigen inszeniert er in entrückt-eisiger Künstlichkeit. Durch die Hintertür holt er die Idee der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts in seiner speziellen Technik aus Öl, Lack und Silikon in die Räume im Hier und Jetzt. Im Sinne eines Remixes unterzieht Drühl die romantischen Bildprogramme einer Neubewertung innerhalb des kunstgeschichtlichen Kanons und aktualisiert sie für die Diskurse der Gegenwart.

Umherliegende, verlassene Alltagsgegenstände, wuchernde Pflanzen und kleine, bunte Vögel – was Fritz Bornstück, geboren 1982, in seiner Malerei und Keramik zum Hauptthema macht, sind die vergessenen Hinterlassenschaften der menschlichen Zivilisation. Benutzt und kaputt, zu absurden Arrangements zusammengesetzt und in melancholisch-stillen Farben wiedergegeben, führen sie ein autonomes Second Life und jenseits ihrer ursprünglichen Funktionen.

Jan Muche, 1975 geboren, lässt durch Schichtungen, Übermalungen und das Auswaschen und Auskratzen vielfach überlagerter Farbaufträge die Idee des Archaischen in der Malerei aufleuchten. Abstrakte Architekturen, in komplementären Farben, Linien hinter und über ausgemalten Farbflächen, nur skizzierte, wie angedacht, nicht ausgeführte Bild-Ideen spielen in Jan Muches Malereien zusammen. In seinen Gemälden flechtet Muche mal offensichtlich, mal unauffällig bildhafte Abbildungen von Frauen und Männern in gleichberechtigter Nachbarschaft ein. Er lässt die menschlichen Darstellungen in den abstrakten Formen- und Farbteppich wie fließend ineinander übergehen.

In den geometrischen Formen von Tanja Rochelmeyer, geboren 1975, findet das Auge keine Logik, denn ihre Konstruktionen bleiben virtuell. Die Perfektion der Farbverläufe und die unwirkliche Klarheit der Flächen täuschen darüber hinweg, dass die präzisen und eleganten Arrangements einen Zustand der Verwirrung erzeugen. Die Montage der einzelnen, vorher zugeschnittenen Elemente, die an sakrale Bleiglasfenster erinnern, lassen eine körperlich wahrzunehmende Energie spür- und vor allem sichtbar werden.

Till Brönner, der 1971 geborene Künstler, gilt als einer der besten europäischen Jazzmusiker. Er studierte Jazztrompete an der Hochschule für Musik Köln bei Jon Eardley. Brönner arbeitete mit sehr unterschiedlichen Musikern und Musikerinnen zusammen wie Dave Brubeck, Herbie Hancock, Annie Lennox, George Benson, Hildegard Knef, Madeleine Peyroux, Kurt Elling, Carla Bruni, Michael Brecker, Al Di Meola, Chaka Khan, Natalie Cole, Al Jarreau, Klaus Doldinger oder Michael Franks.

1993 veröffentlichte er sein erstes Studio-Album dem vierzehn weitere folgen sollten. Seit 2009 ist Brönner Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden.

2010 fotografierte Brönner ein erstes Portrait des südamerikanischen Musikers und Freiheitskämpfers Hugh Masekela. Seither entstand ein umfangreiches Oeuvre; 2019 wurde ihm mit MELTING POTT eine erste Solo-Präsentation mit 165 Arbeiten im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst gewidmet. 

Schon immer ging es um diesen einen Moment. Diesen Moment, in dem die Dinge in ihrer eigentlichen Seinsform sind. Wo das Sein, die Erscheinung und die Wirkung für einen Moment, und sei es ein Sekundenbruchteil, zusammenfallen. Dann hat man ein Bild. Dieses Destillat bedeutet uns oft mehr als die Realität in ihrer Vielzahl von zufälligen Erscheinungsweisen. Aber dennoch machen wir zumeist einen Abgleich mit dem Faktischen, um die Glaubwürdigkeit des Destillats zu überprüfen. Wenn es nicht zusammenpasst, muss ein anderes Konzept greifen: Märchenhaft, surrealistisch, allegorisch, karikiert. Dann kann man das, was man sieht, mit einem intellektuellen Konzept abgleichen und alles ist wieder im Lot. Doch das Reale ist eine Illusion. Wir brauchen tausend Filter um uns ständig zu vergewissern, dass alles in uns und um uns real ist, verlässlich ist, sicher ist – heute so ist und auch morgen so sein wird. Nimmt man nur einen der Filter heraus, begibt man sich bereits in Unsicherheit. (Sid Gastl)

MENG HUANG

Text folgt…

Für die chinesische Künstlerin Duan Yafeng, geboren 1973, ist die Natur Spiegel der Seele und der Stoff, aus dem sie schöpft, ist das Geistige. Die künstlerische Gestaltung ist ein Vehikel, sich der Wirklichkeit anzunähern, sie zu untersuchen und mit malerischen Mitteln in andere Räume zu transferieren. Ihre Bilder zeugen von der Idee eines Energie-Hauchs, der sich in der Großen Leere ausbreitet und dank seiner konstitutiven Faktoren Yin und Yang zu allen Manifestationen der Existenz gerinnen und gleichzeitig in ihr wieder vergehen können.

Für Axel Anklam, 1971 geboren, sind organische Formen, ihre äußeren wie inneren Bewegungen der Ausgangspunkt seiner Arbeiten, die er mit Industriematerialien wie Edelstahl, glasfaserverstärktem Kunststoff oder lichtdurchlässigem Epoxidharz zu Skulpturen transferiert. Grazil fließende Flächen werden von harten Karten umgebrochen und aufgedehnt. Seine Objekte und wirken wie der eingefrorene Zustand eines fortlaufenden Prozesses.

Die in Berlin lebende Künstlerin Laura Bruce wurde in East Orange, New Jersey geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Sie studierte unter anderem am hochrenommierten New Yorker Pratt Institute und reüssiert als Zeichnerin, Bildhauerin, Installations- und Videokünstlerin. Schon 2002 wurde sie mit einer Solo-Ausstellung im Berliner Georg Kolbe Museum präsentiert. Als Sängerin der Punk-Band Dangerpony trat sie unter anderem im NBK Berlin und im Museum of Contemporary Art Oslo auf.

Im Jahr 2017 zeichnete sie einen Werkblock von insgesamt 79 Zeichnungen, die sich mit Francisco de Goya ‘Los Caprichos’ auseinandersetzen. ‘Los Caprichos’ ist ein zwischen 1793 und 1799 entstandener gesellschaftskritischer Zyklus des spanischen Malers und Grafikers. Die Serie wurde 2018 bei der Wiedereröffnung des rennomierten Haus am Waldsee in Berlin und 2019 im Museum Villa Rot ausgestellt.

Die österreichische Künstlerin Bianca Regl lebt in Peking und betreibt dort ein großes Atelier, in dem sie mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern Ausstellungsprojekte konzipiert. Auch Regl musste, wie viele andere, ihr Atelier schon zweimal augenblicklich räumen, greift hier doch die Logik eines ungezügelten globalisierten Kapitalismus, die Logik des Marktes: wo Immobilien gebaut werden, ist kein Platz für die Kunst.

Die Künstlerin malt Bilder von Tulpen und prüft so die Frage, ob die ‚Farbe‘ wirklich eine mächtige Form von Unschuld darstellt, ob sie den Kapitalismus untergraben kann. Die Tulpenbilder von Regl rekurrieren sich aus der Kunstgeschichte wie auch aus der Geschichte des Kapitalismus. Im ‚Goldenen Zeitalter‘ der Kunst, im 17. Jahrhundert, wurden Tulpenzwiebeln in den Niederlanden zum Spekulationsobjekt und lösten 1637 den ersten Börsencrash aus. Zur gleichen Zeit entstand die niederländische Tulpenmalerei. Künstler malten Tulpen, auch sie spekulierten mit Tulpenzwiebeln, manch einer ging pleite daran.

Das Material der in München lebenden Künstlerin Brigitte Schwacke ist Draht. Neben oft raumgreifenden Skulpturen realisiert die Bildhauerin auch flache Arbeiten.

Draht lässt – anders als z. B. Wolle – keine Korrekturen zu. Jede entstandene Struktur ist irreversibel, der unbeabsichtigt eingearbeitete Fehler wird zur Chance, zu einer Kunst des Unebenen, zu einem Zusammenspiel zwischen der Seelenhaftigkeit des Materials (John Cage) und der Energie des Produzenten. Brigitte Schwacke setzt die Arbeiten einige Millimeter schwebend vor die Wand. So entstehen Schattenspiel und Dreidimensionalität, eine Erinnerung an christliche Reliquien, an Schweiß- und Leichentücher leuchtet auf.