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ORNAMENT + ABSTRAKTION

//ORNAMENT + ABSTRAKTION
ORNAMENT + ABSTRAKTION 2019-01-15T15:52:44+00:00

ORNAMENT + ABSTRAKTION

COLIN ARDLEY + TANJA ROCHELMEYER + BRIGITTE SCHWACKE + ANJA SCHWÖRER

18. Januar bis 2. März 2019

Vor einhundert Jahren, 1919 und so ein Jahr nach dem ersten Weltkrieg, gründete der Architekt Walter Gropius eine neue Kunstschule, das Bauhaus in Weimar, aus dessen Anlass in diesem Jahr zahlreiche Ausstellungen stattfinden werden. 1933 wurde das Bauhaus nach zwei Umzügen nach Dessau und Berlin von den Nationalsozialisten verboten, in den 1950er Jahren gründete der ehemalige Bauhaus-Schüler Max Bill in der Tradition des Bauhauses die Ulmer Hochschule für Gestaltung, die sich zu einer der Initiatoren der konkreten Kunst entwickeln sollte.

Im Bauhaus-Gründungsmanifest schreibt Walter Gropius: Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau (…). Architekten, Bildhauer, Maler… wir alle müssen zum Handwerk zurück. 1947 formuliert Max Bill seine Idee konkreter Kunst: das ziel (…) ist es gegenstände zum geistigen gebrauch zu entwickeln (…) konkrete kunst ist in letzter konsequenz der reine ausdruck von harmonischem maß und gesetz.

Die Künstler_innen der Ausstellung Ornament + Abstraktion arbeiten in Zeiten zunehmender Digitalisierung aller Bereiche unseres Lebens mit beiden Händen. Ihre Werkstoffe sind textiler Stoff, Kunststoff, Draht, Karton und Holz.

Anja Schwörers klassisch auf Keilrahmen gespannte Textil-Bilder stehen einerseits in der Tradition der konkreten Kunst, die rationale Prinzipien und ein klares geometrisches Formenvokabular in den Mittelpunkt stellte. Anderseits realisieren von der Künstlerin verwendete asiatische Falt- und Färbetechniken ein Moment des Zufalls, das alchemistisch zu nennende Prozesse der Bildschöpfung aufscheinen lässt. Durch Wegnehmen und Auswaschen der Farbe entstehen archaisch anmutende Bilder, farbige, oft rautenartig angelegte Flächen liegen wie Stücke verwitterter Zeit neben- und übereinander.

Tanja Rochelmeyer ist mit stark-farbigen, aus transparenten Kunststoffen gefertigten Skulpturen und Wandbildern vertreten. Wie Schwörers Arbeiten realisieren ihre zwei- und dreidimensionalen Werke eine abstrakte Raumerfahrung, die nicht auf schon vorhandene Architekturen zurückgeht. Auf der Suche nach einem formalen Sinn in den wuchernden geometrischen Formen bleibt Rochelmeyers Architektur virtuell und begibt sich zeitgleich in einen Widerspruch. Die Montage der einzelnen, vorher zugeschnittenen Elemente geschieht (bei ihren Wandarbeiten an Bleiglas-Arbeiten in Kirchen erinnernd) manuell und so wird auch eine körperlich wahrzunehmende Energie spür- und sichtbar.

Das Material der in München lebenden Künstlerin Brigitte Schwacke ist Draht. Neben oft raumgreifenden Skulpturen realisiert die Bildhauerin flache Arbeiten, die ihren Ursprung in einem Ende der 1990er Jahre begonnenen Projekt haben. Die Künstlerin lud seither rund hundert Personen ein, in der Größe DIN A4, dem Format eines üblichen Schreibblocks also, Bilder aus feinstem Draht zu häkeln. Draht lässt – anders als z.B. Wolle – keine Korrekturen zu. Jede entstandene Struktur ist irreversibel, der unbeabsichtigt eingearbeitete Fehler wird zur Chance, zu einer Kunst des Unebenen, zu einem Zusammenspiel zwischen der Seelenhaftigkeit des Materials (John Cage) und der Energie des Produzenten. Brigitte Schwacke setzt die Arbeiten einige Millimeter vor die Wand. So entstehen Schattenspiel und Dreidimensionalität, eine Erinnerung an christliche Reliquien, an Schweiß- und Leichentücher leuchtet auf.

Entziehen sich die an der Ausstellung beteiligten Künstlerinnen bewußt der Auseinandersetzung mit vorhandener Architektur sucht Colin Ardley genau diese. So führt er mit und in seinen meist aus Zeichenkarton und schmalen Holzleisten entstandenen Skulpturen die Auseinandersetzung mit der Architektur z.B. eines Frank Lloyd Wright.Ihn interessiert der Einblick in sein räumliches Denken und Empfinden im Hinblick auf Proportionen, Unterteilung von Raum, Übergängen von innen und aussen. Von Ardley zeigen wirneben neuen Arbeiten eine Arbeit aus dem Jahr 2004, quasi als Kommentar zu den sehr unterschiedlich abstrakten Arbeiten Schwackes, Rochelmeyers und Schwörers. Kunst ohne Ornament, die uns die Auseinandersetzung mit dem heute überall üblichen Ornament führen lässt.

Gerade weil sie, die Kunst, auf dieses verzichtet.

Eröffnung am 17. Januar 2019, 19 bis 21 Uhr

Die Künstler sind anwesend.

Anmeldung zur Eröffnung bitte bis zum 15. Januar unter sekretariat@alexanderochs-private.com oder telefonisch unter +49 (0)30 – 4508 6878.

Öffnungszeiten: Di– Fr, 13-18 Uhr und Sa, 11-15 Uhr